Die Artenvielfalt der Skiwiese

Trotz Gewittervorhersage nahmen am letzten Maisonntag etwa 25 interessierte Spaziergänger an der spannenden botanischen Exkursion unter der Leitung des Biologen Dr. Stefan Nawrath, der sich seit mehr als 30 Jahren mit der Ökologie von Wiesen beschäftigt, teil. In diesem Jahr ging es um die Frage, wie sich unterschiedliche Standortbedingungen auf die Artenzusammensetzung der Vegetation auswirken.

So weist der schattige Waldsaum mit Taumel-Kälberkropf und Knoblauchsrauke gänzlich andere Arten auf, als die regelmäßig gemähte Wiese. Aber auch einzelne Bereiche innerhalb der Wiesenfläche zeigen je nach Bodenzusammensetzung, Topografie und Beschattung große Unterschiede. In voller Sonne ist die Wiese besonders artenreich, typische Vertreter sind Wiesen-Salbei, Knollen-Hahnenfuß und Kleiner Wiesenknopf. In den schattigeren Senken hingegen sind Düngezeiger wie Stumpfblatt-Ampfer und Wiesen-Fuchsschwanz kennzeichnend.

Die Artenvielfalt hat mit der vor einiger Zeit veränderten Bewirtschaftung – zweimal jährliche Mahd und Nutzung des Heus als Raufutter statt einer frühen und häufigeren Silomahd – zugenommen. Gräser und Wiesenblumen können so wieder zur Blüte und Samenbildung gelangen. Auf eine Mahd gänzlich zu verzichten wäre allerdings fatal, da die Skiwiese als altes Kulturbiotop auf einen Schnitt angewiesen ist.

Eine vielversprechende, bereits sichtbare Veränderung der Skiwiese, die auf Schutz und Wachstum der Artenvielfalt abzielt, ist gemacht. Wie bei allen natürlichen Vorgängen gilt aber auch hier, dass einer schnellen Schädigung ein langer Erholungsprozess folgt, der Geduld, Aufmerksamkeit und Konsequenz von allen Beteiligten erfordert.

Auf Nachfrage der Teilnehmer gab Nawrath auch Empfehlungen für die Anlage hochwertiger Wiesen und insektennützlicher Blühflächen im privaten Bereich. Eine Möglichkeit sind „Hosentaschensamen“, die man auf artenreichen Blumenwiesen sammelt und zuhause aussäht. Des Weiteren betonte Nawrath, dass Wildsaatgut spezieller Hersteller den „Blumenwiesen“ aus Bau- und Gartenmärkten, die vorwiegend aus nicht einheimischen Pflanzenarten bestehen, deutlich überlegen ist.

Kaum war die letzte Pflanze gezeigt und die Gruppe zum Startpunkt zurückgekehrt, bewahrheitete sich der Wetterbericht doch noch und es begann zu regnen.

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